Foto: NABU Otto Schäfer

Fledermäuse - Hilfe für die Schönen der Nacht

 

Seit über 50 Millionen Jahren gibt es Fledermäuse in Deutschland – doch in den letzten 50 Jahren wurden sie beinahe ausgerottet. Weltweit gibt es etwa 1200 Fledertierarten. Breitflügelfledermaus, Zwergfledermaus und Wasserfledermaus sind die häufigsten Vertreter der in Deutschland vorkommenden 25 heimischen Arten.

 

Der massive Einsatz von Insektiziden vergiftet ihre Nahrung, intensive Landwirtschaft raubt ihnen die Lebensräume und unbedachte Bausanierungen oder Abrisse zerstören ihre Wohnstuben. Auch die Fledermäuse in Ostfildern, auf der Filderebene und im Stadtgebiet von Stuttgart kämpfen mit den negativen Folgen und der Vernichtung ihrer natürlichen Lebensräume durch den Menschen. Fast alle ihrer traditionellen Quartiere wurden zerstört und ihre Nahrungsquellen (Insekten, darunter v.a. auch Nachtfalter) immer weiter reduziert. Ungerechtfertigte Vorurteile gegenüber Fledermäusen bestärken diesen Wandel. Doch jeder kann zu ihrem Schutz etwas beitragen.

 

Fledermausschutz ist auch immer Naturschutz in einem weiteren Sinne, von dem viele weitere Arten in Flora und Fauna profitieren.

 

Man achtet und schützt nur, was man kennt und versteht.

  

Getreu diesem Motto haben wir uns im Sommer 2018 um die Kartierung der Fledermausarten in und um Nellingen befasst.

 

In enger Zusammenarbeit mit dem NABU Ruit decken wir die Fledermausarbeit auch  in Heumaden, Ruit, Kemnat und den umliegenden Dörfern ab.

 

Es galt zuallererst die bei uns vorkommenden Arten zu erfassen und Jagdreviere zu identifizieren.

 

Für 2019 möchten wir unsere Erfahrungen an Revieren vertiefen und noch mehr Arten an Fledermäusen finden.

 

Hungrig und ohne Dach über den Füßen

 

In Nordrhein-Westfalen haben Untersuchungen gezeigt, dass die Gesamtbiomasse der Insekten hier in den vergangenen 15 Jahren um bis zu 70 Prozent zurückgegangen ist. Ob sich diese Zahlen 1:1 auf Baden-Württemberg übertragen lassen müsste man durch wissenschaftliche Studien untersuchen.

 

Unsere eigenen Beobachtungen und Kartierungen zeigen aber, dass viele Insektenarten auch bei uns stark rückläufig sind und durch Flächenverlust, Landwirtschaft und Verarmung der Naturräume bedroht sind.

 

Zudem führen steigende Mietpreise im Großraum Stuttgart für lukrative Baumaßnahmen und Vergrößern der Mietflächen durch den Ausbau von Dachböden in Altbauten. Dringend benötigter Wohnraum für gebäudebewohnende Arten wie dem Großen Mausohr wird so immer rarer.

 

Was kann man diesem Trend entgegen setzen?

 

Wir vom NABU Ostfildern-Nellingen betätigen uns seit Jahren in der Landschaftspflege und versuchen wertvolle Biotope zu erhalten bzw. zu verbessern. Dazu gehören nicht nur Streuobstwiesen, sondern auch Grünflächen die durch die richtige Bewirtschaftung zu blühenden Magerwiesen mit hoher Diversität umgewandelt werden konnten.

 

Wohnraumverluste an Gebäuden können nur sehr schwer oder gar nicht ausgeglichen werden und somit versuchen wir den Erhalt alter Gebäude voranzutreiben und ehemals verschlossen Dachstühle für Fledermäuse zugänglich zu machen.

 

Über unsere Naturgartengruppe geben wir Tipps an Interessierte wie der eigene Garten naturnah gestaltet werden kann. Die richtige Pflanzenauswahl für ihren Standort sichert Lebensraum für viele Insekten und kann dazu beitragen, dass Fledermäuse wieder ausreichend Nachtfalter, Laufkäufer und andere Insekten finden.

 

 

Insektensterben? Es gibt doch immer noch zu viele Stechmücken!

 

An diesem Beispiel lässt sich das Insektensterben und der Rückgang der Fledermäuse besonders gut veranschaulichen. Stechmücken entwickeln sich in stehenden Gewässern (Regentonnen, Pfützen etc.) und sind nicht auf besondere Biotope angewiesen und entwickeln sich bei optimalen klimatischen Bedingungen rasend schnell. Eine Zwergfledermaus frisst pro Nacht ca. 2 000 Stechmücken und könnte uns so vor einigen lästigen Stechmücken schützen.

 

 

 

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